Nationalparkresolution der CDU im Rat

Unser Kommentar als Ratsfraktion

05.05.24 –

Wie zu erwarten hat der Rat der Stadt Brakel das Pamphlet der CDU mehrheitlich verabschiedet.

Da es fachlich nur so von Ungereimheiten protz, hier in ausführlicher Länge unsere Stellungnahme dazu:

 

  1. Schutzgebietsstatus der Egge:
    Ja, 70-75% der Egge sind in verschiedenen Kategorien geschützt!

FFH-Gebiete stellend dabei den strengsten Schutz, gesichert durch die EU, dar.

Naturschutzgebiete (NSG) erlauben auch in der Egge Forstwirtschaft im industriellen Maßstab. In den NSG in der Egge dürfen z.K. Kinder die Wege nicht verlassen – Harvester dagegen dürfen das!

Die Fotos zu Abholzungen im NSG Königstein bei Ikenhausen (Willebadessen), und aus dem NSG bei Bosseborn (Stadt Höxter) sprechen eine beredte Sprache!

Bereiche zum Schutz der Natur ist eine Kategorie, die noch in NSG in den Kreisen übersetz werden muss – da warten wir GRÜNE schon länger auf Umsetzung! Und leider hat die CDU-Mehrheit im Regionalrat durchgesetzt, dass Bereiche zum Schutz der Natur, die im Regionalplan Paderborn-Höxter noch aufgeführt wurden, im aktuellen Regionalplan OWL nicht mehr dargestellt (eingezeichnet) sind. Beispiel der Sollberg bei Bad Driburg.

Landschaftsschutzgebiet ist keine funktionierende Schutzkategorie: es war für die Betreiber kinderleicht, mitten im Landschaftsschutzgebiet im Kreis Höxter eine Rennstrecke zu bauen – eine einfache Behördenentscheidung, die benötigte Fläche aus dem Schutz zu entlassen – da war nicht mal ein Kreistagsbeschluss notwendig. So etwas ist einfach gar kein Schutz!

Die Biodiversität ist in Offenlandbereichen, die von großen Weidetieren bevölkert werden, am höchsten! Da stellt sich die Frage, ob die CDU in Offenlandbereichen einen Nationalpark ausweisen will! Was sagt die Landwirtschaft dazu?

Im Übrigen gilt es zu differenzieren: es ist nicht die Menge der Arten, sondern die Qualität der Arten, die in einem Nationalpark entwickelt werden soll. Gerade äußerst seltene Käferarten sind auf den Mulm sehr, sehr alter! abgestorbener Bäume angewiesen. 

Wir wissen noch viel zu wenig über diese Arten, als dass wir riskieren könnten, sie zu verlieren!

 

2. Zuschnitt der Egge:

Der Zuschnitt des Suchraumes in der Egge (Flächen im Landesbesitz) bietet gerade wegen des langgestreckten Raumes eine hervorragende Biotpverbund-Eigenschaft. Der Nationalpark Egge ist das Bindeglied zwischen dem Norden und dem Sauerland – eine einmalige Chance!

Alle Bahnstrecken sind untertunnelt (Rehbergtunnel für die Eggebahn, Eggetunnel für die ICE-Strecke), die Straßen unterhalb Bundestraßen sind unkritisch, die B64 hat eine seit Jahren bestens funktionierende Grünbrücke, die hervorragend dokumentiert ist. Die A44 verläuft an markanten Stellen über Brücken. Eine weitere Grünbrücke an der B68 wäre wünschenswert.

 

3. Straßen werden zurückgebaut:
Eine völlig aus der Luft gegriffene Behauptung!

4. Brennholznutzung ist nicht möglich:
Auch völlig aus der Luft gegriffen! In allen Wald-Nationalparken konnten die Brennholzfragen gelöst werden. Das ist auch nicht weiter verwunderlich: die Wanderwege müssen natürlich verkehrlich gesichert werden, da fällt dann selbstverständlich Holz an, das als Brennholz genutzt werden kann. Wer sich die toten Eschen an den Straßen in diesem Frühjahr anschaut, weiß, dass Brennholz genug für viele Jahre da ist.

75% Prozessschutzflächen stehen am Ende der Entwicklung eines Nationalparks, nicht am Anfang! Und die wertvollen Moore in der Egge bleiben selbstverständlich erhalten!

Alles dieses wird eine Nationalparkverordnung regeln. Hier sollten die Verhinderer lieber mitarbeiten, dann können sie mit gestalten.

Klimaschutz: da hilft ein wenig mehr zu Fuß gehen oder Radfahren statt immer größerer Autos erheblich mehr! 
Wir wollen lediglich 1% der Waldfläche in NRW als Nationalpark ausweisen. Auf den restlichen Flächen sollte in der Tat ein Klima-Wald entwickelt werden. Aber genau deshalb brauchen wir eine Art „Null-Linie“ – damit wir in ein oder zwei Generationen überhaupt bewerten können, was haben die Förster erreicht und was hat die Natur geschafft. Ein Nationalpark ist auch ein Wissenslabor!

  1. Die Kosten von 10 Mio. € jährlich sind eine Behauptung. Dem gegenüber steht aber das Gutachten der IHK zur Wertschöpfung aus dem zu erwartenden Tourismus. Dieses Gutachten weit einen Ertrag für die öffentliche Hand von rund 24 Mio. € pro Jahr an Einkommenssteuer und Mehrwertsteuer aus (dwif S.20). Nachrechnen lohnt: 24 Mio. € ist mehr als 10 Mio. €!

Das Gutachten zur Holzwirtschaft der IHK (Knauf Consulting) weist in der Tat ausbleibende Erlöse aus: 83 Mio. € aus Umsatzverlusten und Wertschöpfungsketten

Der Nationalpark bringt durch „sanften Tourismus“ laut IHK Umsätze in Höhe von 288 Mio. € jährlich. Auch das ist deutlich mehr!

 

Der Nationalpark ist also wirtschaftlich und finanzpolitisch von größerem Vorteil, als der Status Quo.

 

  1. Borkenkäfer hatten wir bereits in der Egge! Ein Besuch auf den Kalamitätsflächen – die alle beförstert und intensiv wirtschaftlich genutzt wurden – lohnt! Borkenkäfer können nicht lesen, ob der Fichtenwald in einem Nationalpark steht oder weit davon entfernt, interessiert die nicht die Bohne!
  2. Arbeitsplätze:

Verlust lt. IHK-Gutachten: 174 Arbeitsplätze (knauf consulting S. 6) und langfristig hochgerechnet 700 Arbeitsplätze (knauf consultig ebenfalls S.6)

Gewinn lt. IHK-Gutachten: Primäreinkommen Vollzeit für 4.961 Personen (diwf S.20)

 

Auch das haben wir akribisch nachgerechnet: 4961 ist mehr als 700!

 

Fazit:

Diese Beschlussfassung stellt eine Respektlosigkeit gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern dar, die in diesem Falle die Entscheidungshoheit haben. Die Bürgerinnen und Bürger und niemand sonst!

 

 

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